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MAX
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Im Februar 2007 kam Max mit drei Jahren aus nicht schlechter, aber auch nicht wirklich artgerechter Haltung zu uns. Völlig unerzogen, unausgelastet und entweder völlig überdreht, oder stundenlang schlafend. Seine Ersterziehung war für mich ein echter Kraftakt. Einen 35 kg schweren Retriever zu halten, der einem fast den Arm ausreißt, brachte mich schon in den ersten zwei Wochen an meine körperlichen und nervlichen Grenzen. Max ist unser erster Hund, mir fehlte jegliche Erfahrung, genau wie ihm.
Bald besuchten wir eine Hundeschule, doch nichts klappte. Max sprang uns beim „Fuß“ gehen knurrend an, war unverträglich mit anderen Hunden, weigerte sich zu laufen, legte sich einfach hin und war nicht mehr vom Fleck zu bewegen. Der kleinste Leinenruck (damals noch mit Halsband) und Max knurrte und sprang. Bald wurde uns attestiert wie dominant, ja fast bösartig unser Hund sei, dass man sehr hart mit ihm umgehen müsse, und und und. Wir glaubten nicht daran, dass eine Bestrafung des Hundes helfen würde und verließen die „Hundeschule“. Doch das löste nicht unser Problem, sein merkwürdiges Verhalten blieb, immer öfter kroch er hinters Sofa, war unleidlich, hechelte stundenlang. Er machte den Eindruck, keinerlei Kondition zu haben, die sich doch langsam eingestellt haben sollte.
Im April fing er dann an zu hinken. Nach einem einstündigen Spaziergang humpelte er. Wir dachten, er hätte sich vertreten, als es nach Tagen nicht besser wurde, fuhren wir zum Tierarzt. Der schloss einen Kreuzbandriss aus, gab uns Schmerztabletten für Max mit, und sagte, wenn es nicht besser werde, sollen wir doch in die Klinik fahren und röntgen lassen. Es wurde mit den Tabletten zwar besser, das Humpeln verschwand aber nicht völlig, und das ungute Gefühl, das ich hatte, brachte mich dazu, eines Abends meinen Freund hochzuscheuchen und in die Tierklinik zu fahren. Auch dort vermutete die Tierärztin zunächst, dass Max sich nur vertreten habe. Er liefe ja nicht auffällig sagte sie, dass einzig merkwürdige sei sein sehr krummer Rücken, schob es aber auf die mangelnde Bewegung die Max in seinen ersten drei Lebensjahren hatte, in denen er fast nur gelegen hatte.
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Die Röntgenbilder brachten endlich Gewissheit, selbst die Tierärztin war erstaunt: Ein schiefes Becken, mittelschwere HD, beidseitige Arthrosen, auf der linken Seite schlimm. Die Worte des Orthopäden werde ich nie vergessen, denn sie ärgern mich noch heute: „Ihr Hund wird immer Schmerzpatient bleiben. Wenn es mein Hund wäre, würde ich ihm jeden Tag 1 ½ Rimadyl geben. Sonst kann man nichts machen.“ Ich bekam eine 90 Euro teure Großpackung des Schmerzmedikaments und den Rat, Max dürfe nicht mehr rennen, springen, kein „Stop-and-Go“, kein Bälle werfen, etc., das wars.
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Er bekam das Rimadyl, nichts besserte sich, im Gegenteil, die Gelenke waren stark entzündet, das Überdehnen beim Röntgen hatte ihm den Rest gegeben, Max hechelte den ganzen Tag, versuchte nicht von meiner Seite zu weichen, zog sich beim Aufstehen nur mit den Vorderbeinen hoch, wenn er es überhaupt schaffte aufzustehen, lief er auf drei Beinen. Irgendwann schaffte ich es, ihn mit klassischer Musik zum einschlafen zu bringen, ein Trick, den eine Freundin bei ihrem Baby angewendet hatte.
Das Medikament forderte seinen Zoll, nach einer Woche saß Max fast nur noch, ihm war speiübel, er erbrach sich. Erneut fuhr ich mit ihm in die Tierklinik, ließ das Medikament ändern, er bekam jetzt Phen-Pret, dazu Tabletten für den Magenschutz. Ich fragte, ob man ihn mit einer OP wiederherstellen könne. „Sicher“, war die Antwort, „für ca. 2000 Euro - pro Seite.“ Auf meine Frage, wieso mir das nicht gleich beim ersten Besuch gesagt wurde, bekam ich die Antwort, wir seien schließlich in Frankfurt, es sei schon erstaunlich, dass ein so junger Hund mit einer solchen Diagnose noch nicht im Tierheim sitze, geschweige denn, dass Leute nach einer OP fragen. Außerdem seien die Erfolgschancen nicht so, dass er danach auf jeden Fall wieder voll hergestellt sei, auch Menschen mit künstlichen Hüftgelenken werden schließlich nicht zu Leistungssportlern.
Die Idee mit der OP blieb im Hinterkopf, wir nahmen uns vor, die nächsten Monate abzuwarten, das feuchte Wetter und den Winter, mal sehen wie es ihm ginge. Es änderte sich weiterhin nichts, es wurde immer schlimmer, wir liefen nur noch um den Block, er fraß schlecht. Ich zog für einige Zeit tagsüber zu meinen Eltern, da wir im zweiten Stock wohnen und regelmäßig vier Mal am Tag vor dem Problem standen, dass Max die Treppe nicht hochkam. Mein Freund trug ihn schon seit Wochen und ruinierte sich selbst den Rücken. Es kamen heiße Tage, wir konnten nicht erkennen, ob er vor Hitze oder vor Schmerzen hechelte, und brachten ihn zum Hundefriseur. Als das Fell unten war, konnte man sehen, wie mager Max an den Hinterläufen war, und wie muskulös vorne, eine Folge der Schonhaltung.
Vorne Muskeln, nichts dahinter,
Max sah aus wie ein afrikanisches Rind.
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Mein 27ster Geburtstag war der Horror, viele Leute, Max wollte ständig hinterher und schaffte es nicht. Er hüpfte auf drei Beinen, ließ sich fallen, rappelte sich wieder hoch. Es tat weh mit anzusehen wie er sich abmühte.
„Lass mich ihm endlich Cortison geben“, sagte mein Freund, selbst Mediziner, und so gab ich der Chemie nach und Max bekam 2,5 mg Cortison am Tag, eine winzige Dosis, und endlich wurde es besser. Er hatte wieder Freude, lief wieder, konnte endlich wieder richtig spazieren gehen. Trotzdem war die dauernde Medikamentengabe für mich noch immer keine Dauerlösung. |
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So tat ich nach vier Wochen einen Tierheilpraktiker auf, der es mit einer Blutegeltherapie versuchte. Das Blutegelchen lebte noch sehr lange glücklich in einer mit Wasser gefüllten Wodkaflasche, wirklich Schmerzen gelindert hat es nicht, es kann nicht alles allen helfen, manchmal muss man eben probieren, kombinieren.
Geholfen hat der Tierheilpraktiker trotzdem, denn er empfahl mir jemanden. „Max braucht die richtige Bewegung, Physiotherapie, Sport, Massagen. Hier, das ist eine Kollegin meiner Freundin, sie ist Tierphysiotherapeutin, rufe sie an,“ und gab mir eine Telefonnummer. Gesagt, getan, ein paar Tage später kam Ines das erste Mal. Max war sofort verliebt, wie sollte es anders sein. Sie knetete, massierte, turnte, akupunktierte, Max genoss, und von Woche zu Woche wurde es immer besser. Sie stellte fest, dass ihn seine Schonhaltung völlig verspannte, kein Wunder dass er sich in der Hundeschule so aufgeführt hatte, er hatte einfach Verspannungen und somit Schmerzen bis in den Nacken.
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Max baute in den kommenden Wochen endlich Muskeln auf, war gut drauf, ein geduldiger und kooperativer Patient, und endlich hatten wir einen glücklichen Hund an unserer Seite. Ines berät uns mit den Zusatzfuttermitteln, und dank ihrer homöopathischen Medikamente brauchen wir, auch wenn es ihm mal nicht so geht, nicht gleich die Chemiebombe. Und die Massagen, Streicheleinheiten und vor allem die Kekse beim Turnen sind unersetzlich. Heute zappelt Max schon, wenn ich nur sage „heute kommt Ines“.
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Sein krummer Rücken ist verschwunden, Schmerzen hat er nur noch, wenn er lange gelegen hat, oder sich vor Übermut übernimmt. Dass er nie gesund wird, wissen wir, aber wir können ihn stabil halten, achten auf sein Gewicht, er schwimmt viel, läuft fast nur auf weichem Boden, wir laufen nicht zu lange.
Max - hier mit Herrchen im Urlaub - ist endlich ein lebensfroher Hund geworden
Heute ist Max fünf, und mein erklärtes Ziel ist es, dass er irgendwann an Altersschwäche stirbt anstatt von Schmerzen erlöst zu werden. Bis jetzt sieht es gut aus. Und der Orthopäde in der Tierklinik zieht noch immer skeptisch die Augenbraue hoch, wenn ich sage, dass Max noch immer keine Dauermedikation bekommt und mit seiner wöchentlichen Physiotherapie absolut ausreichend behandelt wird.
Anmerkung von hundpferdkatz:
bitte vergleichen Sie das erste Bild im Stand und das letzte hier. Es ist derselbe Hund!
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